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Residenz Theater Klein Eyolf von Henrik Ibsen
Brav und bieder - die Katharsis blieb aus
Um diese höchst aktuelle Botschaft zu einem erschütternden Ereignis zu machen, bedurfte es einer adäquaten Inszenierung. Die fand im Residenz Theater nicht statt. Regisseur Thomas Langhoff inszenierte bieder vom Blatt. Er erzählte die Geschichte geradlinig, ohne prickelnde szenische Einfälle, die dem Publikum hätten verdeutlichen können, warum es dieses Stück hier und heute erleben sollte. Im Grunde gibt es an der Inszenierung kaum etwas auszusetzen, außer, dass die Wirkung des Ibsenschen Entwurfs weitestgehend verpuffte. Wenn diese Inszenierung überhaupt sehenswert war, dann nur Dank der Leistung der Darsteller, allen voran Stefan Hunstein. Er bewies einmal mehr, dass ihm die Texte Ibsens liegen. Sein Alfred Allmers entsprach ganz und gar dem Habitus des idealisierenden, weltfremden, sich selbst permanent betrügenden aber doch stets liebenswerten Menschen, der sich in allen Ibsenstücken findet, um den sich in den Dramen des Skandinaviers häufig alles dreht. Stefan Hunstein spielte äußerst nuanciert und verlieh den menschlichen Schwächen Allmers Witz. Sybille Canonica hingegen gab eine in ihrem Lebensanspruch, der sich auf die Person Alfreds beschränkte, bis an die Grenzen der Hysterie gehende Ehefrau. Jan-Peter Kampwirth sei unbedingt noch erwähnt. Er spielte die Rolle des Ingenieurs Borghejm als Understatement. Tatsächlich war die Figur des Straßenbauers, eine beabsichtigte und wirkungsvolle Symbolik, ein Fremder im Reigen der Verlorenen, einer, der im wirklichen Leben seinen sinnvollen Platz hatte. Kampwirth verkörperte diese Figur überaus glaubhaft.
Ohne Zweifel arbeitete Ibsen auch in dieses Stück viel Symbolik ein. Diese sichtbar zu machen, war Regisseur Langhoff deutlich bemüht. So erschien das Allmersche Gutshaus im ersten Akt als Hort der Geborgenheit. Bühnenbildner Stefan Hageneier hatte großzügige mehrschichtige Räume in warmen hellen Tönen geschaffen, die Platz ließen für ausgreifendes Spiel. Im zweiten Akt, Klein Eyolf war ertrunken, brach ein sintflutartiger Regen über die Welt der Allmers herein. Das Haus bot keinen Winkel mehr, diesen Unbilden zu entgehen. Im dritten Akt waren die Möbel unter Folien verborgen. Der Vorgang des Konservierens deutete an, dass es keine wirkliche Veränderung gab. Ob der eindrucksvolle große Regen, in dem sich die Stehlampen nach und nach Funken sprühend verabschiedeten, in seiner Symbolik angemessen war, sei dahingestellt. Jedenfalls verbesserte er deutlich das Raumklima am schwülheißen Premierenabend. Alles in allem war diese Inszenierung eher eine verschenkte Chance, als kathartisches Theater. Dies aber könnte und sollte das Stück in jedem Fall leisten. Zu brav, zu bieder zog die Geschichte von Menschen in persönlicher und sozialer Isolation am Publikum vorbei. Nur schwerlich konnte man darauf kommen, dass hier auch Zeitgeist wehte. Wolf Banitzki
Klein Eyolf von Henrik Ibsen
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