Ensemble Persona Romeo und Julia von William Shakespeare


 

 

Es ist die Liebe, die liebt

Es ist die Sprache, die Sprache Shakespeares und die Sprachkultur des Ensemble Persona, welche vom ersten Augenblick der Aufführung bis zur letzten Sekunde in Bann ziehen. Sie entführen aus einer grausamen Welt in Schönheit und Romantik. Die Süße von Sehnsucht, Ekstase trieben das Spiel voran in die bittere Erfahrung. Im Geist sind alle Menschen durch die Laute der Worte verbunden, schwingen ihre Seelen ein in eine Welt. Die Sprache ist eine Form von Musik – Dur und Moll und ... Chorgesang.

Seit über 400 Jahren entfalten Romeo und Julia, verwirklicht durch die poetische Schaffenskraft von W. Shakespeare, die Intensität von Liebe auf den Bühnen und in der Welt. Wohl kaum ein anderes Stück, andere Namen stehen im selben Maße für die Sehnsucht nach Erfüllung im Leben. Tobias Maehler, der Regie führte bei der Inszenierung in der Übersetzung nach A. W. Schlegel, erarbeitete mit den Darstellern auch eine Aktualisierung der Sprache in die Gegenwart. Dezent, an klassischer Moderne orientiert und mit einer feinen Prise Humor versehen, erklang das Drama nicht nur von der Bühne. Schauspieler verweilten stets im Raum und bezogen das Publikum fühlbar mit ein. Ein wohldurchdachtes Konzept steht hinter den Inszenierungen des ausgewogenen Ensembles.

Verona, eine kleine Stadt im nördlichen Italien wird zum Zentrum eines Universums. Romeo Montague, schwärmerisch in die unerreichbare Rosalia verliebt, begibt sich mit seinen Freunden Mercutio und Benvolio zu einem Maskenball im Hause Capulet. Im Tanz blickt er Julia in die Augen und die Liebe entbrennt. Jeroen Engelsman spielte Romeo als äußerst gefühlvollen und enthusiastischen jungen Mann. Nicht nur zwischen Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit changierend, von heißem Blut und tiefer Verzweiflung gequält, überzeugte er unaufdringlich auf brillante Weise. Selbst im schnellen Lauf war seine Sprache prägnant klar. Ein neuer Romeo. Julia, noch sehr unbedarft, wurde ebenso wirklich von Anna Pircher verkörpert. Sie, vom Sturm der Gefühle erfasst, erwachte in Weiblichkeit. Ihr Schauspiel um das Chaos der Gefühle brachte eine zeitgenössisch erkennbare Julia hervor. Eine mädchenhafte Capulet. Die Tragödie nahm ihren Lauf, als die Beiden erkannten, dass sie verfeindeten Familien angehören.

 

RuJ-EP

 


Anna Pircher, Jeroen Engelsman

© Bernt Haberland


Es ist der Hass, der bindet

Es ist das Gefühl, welches die Seele bewegt. Mein und Dein finden darin ihren Ausdruck, ebenso wie die Sehnsucht nach Begegnung. „Oh Ehestand, oh Wehestand“ , kam es von den Lippen Capulets und wohl kaum jemand könnte ihm widersprechen. Begegnung kennt vielen Formen. Mein Leben, meine Familie, meine Freunde und dann sind da noch die vielen anderen.

Im der Gestalt des Mercutio, ausgezeichnet lebendig umgesetzt von Yannick Zürcher, wurden Teile des menschliche Beziehungsnetzes ersichtlich. Der neckende Freund, der treue Kamerad, das Opfer der Umstände. Anders als der zurückhaltend ausgleichende Benvolio, Marco Bretscher-Coschignano, zog er gerne die Aufmerksamkeit auf sich. Ordentlich beflissen verkörperte Florian Hackspiel Tybalt, der Romeo provoziert und Mercutio tötet, ganz im Sinne der verfeindeten Väter. Bruder Lorenzo suchte mit Weisheit und Geduld die Liebenden rechtschaffen zu begleiten. Allein die Umstände ließen seine Pläne scheitern. Aufrecht liebevoll stand Markus Vogelbacher für die christliche Idee. Während die Amme von Marina Lötschert diensteifrig und ausnehmend geschwätzig ihren Part erfüllte und die von Klaudia Schmidt gespielte Lady Capulet kaum Eigenleben entwickeln durfte. Wie doch die Rollen in einer Zeit ... auf Spitzen getrieben werden. Bruder Markus, Leonid Semenov, scheitere gefasst in seiner Aufgabe den alles entscheidenden Brief zu überbringen. Das Leben, die Umstände entziehen sich bisweilen den Ideen und spielen das, was man Schicksal nennt.

Die offene Bühne in der Mitte des Saales betraten die Darsteller von allen Seiten. Mit wenigen Requisiten ausgestattet, verdeutlichte Simone Haberland die Präsenz der im Mittelpunkt stehenden Darsteller. Das Werk, der Text, die Schauspieler. Die Kostüme orientierten sich sowohl an aktueller Mode, als auch an traditioneller Bekleidung. Die Lederjacke des Mercutio, der Talar des Bruder Lorenzo, die Degen der jungen Männer trugen den äußeren Anteil zum Erlebnis bei. Bernt Haberland gestaltete diese und die atmosphärischen Lichteffekte.

Es ist die Versöhnung der Familien, die am Ende des Schauspiels steht. Die darstellenden Patriarchen reichten einander im Leid die Hände und ... wie heute üblich definierten sie Schuld und deren Ausgleich über Geld- bzw. Goldwert. Wie arm an menschlicher Kultur ist die Welt im Augenblick doch geworden. Eine Botschaft die erreichte und nachdenklich macht.

 

C.M.Meier

 

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Romeo und Julia

von William Shakespeare

Marina Lötschert, Anna Pircher, Klaudia Schmidt, Marco Bretscher-Coschignano, Jeroen Engelsman, Florian Hackspiel, Leonid Semenov. Markus Vogelbacher, Yannick Zürcher, Tobias Maehler

Regie: Tobias Maehler

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