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Postbiedermeier bis zum
... und wenn man denkt der Gipfel ist erreicht, wenn man an einer Grenze steht und plötzlich stellt man fest, dass die Mitarbeiter der Bühnen noch größere Requisiten aufgetürmt haben, um dem Gipfel einen Gipfel aufzusetzen, spätestens hier wird die Unsinnigkeit der Überspitzung von überspitzt dargestellten Szenen sichtbar. Spätestens hier würde selbst der völlig sinnenlose Zuschauer die Auflösung der ehemals gemeinschaftlich vereinbarten Strukturen erkennen - nicht nur in der Kunst, die sich vielleicht am Finanzwesen und seinen Luftnummern orientiert. Nein, vom generösen Habitus der Personen, über die aufgeblähte Form der Autos, bis zu den farbigeren Farben der Kaschmir-Alpaka-Schals reichen die großbürgerlichen Selbstdarstellungsmotive. Durch alle Gesellschaftsbereiche zieht sich eine Überreaktion.
... Witz ist zu Irrwitz verkommen und die aufwändig bemühten Extravaganzen und Provokationen rufen mittlerweile ebenso Langeweile hervor, wie die ehemals penibel eingehaltenen gesellschaftlichen Kleinbürgernormen, die heute in die kleinen Gesten verbannt sind. Die Bühnenwelt platzt vor Beliebigkeit – gleich der Realität. Nun, die Verzerrung dieser Beliebigkeit stellt bisweilen den gesamten künstlerischen Akt dar. Es ist die Vorstellung von einem Vorgang statt des tatsächlichen Beweggrundes, der die Inhalt vorstellen soll. Sie merken: schon wieder Luftnummern. Und wäre da nicht die Großartigkeit, mit der dies alles in Szene gesetzt wird, so bliebe wohl der Eindruck oberflächlich. Nur sie, die Großartigkeit, ist in der Lage, einen Mangel zu beachteter Eigenschaft aufzublähen, um ihm zu huldigen. Kult – Kultur – Kunst als Geld- und Kommunikationsakt. Blickt der Betrachter durch sie in den Spiegel, so sieht er überdimensional. ... das ist bildliche Übertreibung, keine Frage, als Antwort auf Außerordentliches und Glanz einer in sich geschlossenen, mit sich selbst zufriedenen Welt. Dem gegenüber versucht man sich demonstrativ in Realismus und austauschenden Begegnungen zwischen Theatermachern und Zuschauern. Kommunikation heißt das alle sinnliche Erfahrungsbereiche ansprechende Wort, das bewegend wirken soll. Es bewegt in der Tat, doch kaum zu neuen Erkenntnissen, vielmehr in kreisförmigen Diskursen. Dazwischen die Stücke, in denen moderne, charakterarme Figuren Handlungsmodelle abarbeiten. Während roten Figuren unter der Übermacht des Materials bisweilen wenig subtile Gestaltung gelingt, so glänzen schwarze Figuren im Versuch der Selbstoptimierung, selbst in der Darstellung sind die Darsteller sie selbst. Und auch diese Faktoren sind nur die Zeichen der Zeit. Doch wer ist es, der diese Zeichen zuerst setzte, den Anstoß gab und sie nun in der Welt hält?
Eine Aufgabe des Theaters liegt im Schaffen bleibender Rollen, Bilder und Sequenzen, deren Eindrücke die Zeit im Menschen überdauern, ihn Sinn stiftend begleiten! Doch was ist abzuleiten aus Szenen, in denen nur die Schatten in den materiellen Abgründen spielen? Was wird im Betrachter haften bleiben, die Jahre überdauern?
Vom Leben erzählen und davon, was dieses mit dem Menschen macht, Zusammenhänge erkennen lassen, Rollen entwickeln, die Menschen Anleitung und Hilfestellung bieten, Werte verdeutlichen und Gemeinschaft ermöglichen, davon zu erzählen ist eine große Aufgabe. Sie fordert Idealismus, zum Einen in individueller handwerklicher Fertigkeit und zum Anderen in universeller humanistischer Bildung und Haltung. Einen Stil zu entwickeln, der, jenseits des Plakativ-Demonstrativen, übereinstimmt in Form und Inhalt, erfordert künstlerisch geprägtes Feingefühl und eine subtile Umsetzung. Die Natur in ihrer unberechenbaren Verletzlichkeit, als Anfang und Ende allen Seins, als Spiegelbild des Menschen einzubinden in das von ihm ausgelöste Geschehen, die technische Entwicklung, ist unerlässlich. Denn allein sie trägt Leben. Die Technik frisst ebendieses, ohne Rührung, unerbittlich, permanent. Wer wird sie schaffen - die neuen Rollen, das Bild oder gar verschiedene Bilder des kommenden Geschehens - eine alte neue Betrachtung aus einer dem Bildungs- und Wissensstand der Gegenwart entsprechenden Perspektive ...
C.M.Meier
Kreativ oder schöpferisch - Der kleine große Unterschied!
Juli 2012 |