Metropoltheater  zu unseren füßen, das gold, aus dem boden verschwunden von Svealena Kutschke


 

Gesellschaftsbild des Scheiterns

Es sind sehr verschiedene Zeitgenossen, die Mieter des Pankower Mietshauses. Und sie sind ganz gewiss kein repräsentativer Querschnitt durch unsere heutige Gesellschaft. Otto Normal, und der stellt ja in der Regel die Mehrzahl, kommt eigentlich gar nicht vor. Würde Holm, der pensionierte Gerichtsvollzieher mit Trauma nicht saufen, wäre es wohl seine Rolle gewesen. Allein, Alkoholiker ist wohl bei aller Toleranz noch immer ein Alleinstellungsmerkmal. Die zitierte Mietergemeinschaft ist eher eine Ansammlung von Laborprobanden für einen Diversionsversuch. Da sind ein lesbisches Paar, eine Deutsche namens Kim, die im „Spätkauf“ an der Kasse arbeitet, und die junge, zu Aggressivität neigende Türkin Darija, Pflegerin in der Psychiatrie. Und da ist das Paar, das sich räumlich getrennt hat, Sarah, Hochschulabsolventin und depressiv, Ahmed, arabischer Herkunft, in Edelzwirn gewandet und Mitarbeiter einer Kanzlei. Nach der Trennung ist er in den gegenüberliegenden Flügel des Hauses gezogen und beargwöhnt nun von dort aus das Leben seiner Ex, weil er von ihr nicht lassen kann. Einen lernt man nicht kennen, Nabil, den syrischen Flüchtling.

Sarah hatte ihm geholfen, die Wohnung im Haus zu bekommen, hatte ihm auch einige Anzüge (ausgerechnet die maßgeschneiderten) ihres Mannes geschenkt und sich selbst dafür mit einem Beischlaf mit dem jungen, knackigen Asylanten belohnt. Ihrem depressiven Zustand war es auf positive Weise zuträglich bis zu dem Augenblick, als sie Nabil fälschlicher Weise als Dieb ausmachte. Dabei war Nabil unermüdlich darum bemüht, zu gefallen, sich einzuordnen in das deutsche Gemeinwesen, das längst kein Gemeinwesen mehr ist. Immerhin haben von den sechs Personen gerade einmal ein Drittel noch deutsche Wurzeln. Und so wird Nabil zum „Stolperstein“ des Gemeinwesens, wenn er Ratten aus dem Abfluss fischt und in der Mülltonne bestattet, wenn er sämtliche Bewohner freundlich grüßt und sich nicht zu schade ist, Hand anzulegen, wenn der Hinterhof in Unordnung geraten ist. Und so widerfährt ihm, was, diese Vorstellung lässt sich nicht beiseiteschieben, allen Emigranten in diesem Land droht: Gewalt. Die geht ausgerechnet von Holm aus, der irgendwann versucht, seinen Alkoholismus in den Griff zu bekommen und seiner Verwahrlosung entgegen zu treten.

Seit der Uraufführung von „zu unseren füßen, das gold, aus dem boden verschwunden“ der Berliner Autorin am Deutschen Theater Berlin wurde der Text von Svealena Kutschke hoch gelobt. Er wird als gelungene gesellschaftliche Analyse gepriesen, die den Nachweis erbringt, dass die heutige deutsche Gesellschaft, die so viel auf ihre eigene Diversität gibt, eine überaus brüchige und gefährdete ist. Der Text von Svealena Kutschke hat ohne Frage enorme Qualitäten. Zuallererst sei die pointierte Sprache erwähnt, die die Monologe fesselnd und auch witzig erscheinen lässt. Auch weiß die Autorin, wovon sie redet, resp. schreibt. Zudem ist ihr dramaturgischer Ansatz, die zentrale Figur, an der sich alles reibt, misst und erhitzt, außen vor zu lassen, ein grandioser.

  zu unseren fen  
 

Matthias Grundig und Mara Widmann

© Jean-Marc Turmes

 

Allein, das gesellschaftliche Bild, das sie entwickelt, und hier handelt es sich vorgeblich um die Normalität, ist schwerlich als repräsentativ für die deutsche Gesellschaft zu nehmen. Vielleicht gilt der Text noch für Berlin, wo die Urbanität eine ganz eigene, nicht unbedingt angenehme Qualität hat, kaum aber für den Rest der Republik. In Berlin ticken die Uhren anders, insbesondere wenn es um das Zusammenleben in den Kiezen geht. Was in München bereits als Verwahrlosung denunziert wird, versteht man in Berlin nicht ohne Stolz als Charakter.

Es finden sich im Stück einige Anklänge von Konstruktivismus und auch von Sozialkitsch. Etliche Klischees werden abgearbeitet. Es fiel im Metropoltheater natürlich schwer, diese Dinge auszumachen, weil Jochen Schölch den Text auf höchst suggestive und zwingende Weise in Szene gesetzt hat. Er trieb seinen Minimalismus dabei erneut auf den Gipfel. Die eintretenden Zuschauer wurden von den schweigenden, reglosen und abgekehrten Darstellern empfangen. Sie saßen auf zwei längeren Bänken, dazwischen eine kürzere, die alsbald als die Wohnstatt Nabils ausgemacht wurde. Nachdem Nabil aus der theatralen Realität getilgt worden war, wurde die Bank zwischen die beiden anderen gerückt und die Architektur war zumindest im Bewusstsein wieder makellos. (Bühne Thomas Flach) Nabil als Störfall war ad acta gelegt. Ein starkes Bild!

Jochen Schölch konnte bei seiner eineinviertelstündigen Inszenierung auf fabelhafte Darsteller zurückgreifen, die in der Kürze der Zeit deutliche und charaktervolle Figuren erschufen, und die allesamt anbetungswürdig spielten. Am eindringlichsten geriet dabei der von Matthias Grundig gestaltete Holm. Eingangs mit wenig Expression und eher resignativ gespielt, erschuf er einen versoffenen und verwahrlosten Staatsdiener, dessen Zustand ruchbar im Sinne von beinahe riechbar wurde. Zuletzt brach ein Schmerz aus ihm hervor, der fast mythische Dimensionen besaß. Sophie Rogalls junge lesbische Türkin Darija war pures Dynamit. Sie konnte das Fürchten lehren. Ihre Bühnenparnerin Lucca Züchner spiegelte genau diese Angst als Geliebte Kim in ihrer defensiven Haltung dem Leben gegenüber, gegen das sie sich einzig mit einer durchgestylten Anzugsordnung zu schützen suchte. Letztlich traf sie die übergroße Daseinswut der Geliebten mit blutiger Wucht.

Mara Widmanns Sarah, den Namen trug sie vermutlich nicht von ungefähr, war frei von jeglicher Aufregung. Sie sprach über ihre Depression als einer Unausweichlichkeit, in der sie als Intellektuelle mit all ihrem Lebensanspruch unweigerlich versinken musste, denn als auch Nabil sie vermeintlich betrogen hatte war klar, dass sie immer ein geradezu messianisches Opfer sein würde. Sie war ein Ausbund an Lebensfremdheit. Am realitätsnahesten war wohl der von Thorsten Krohn gespielte Ahmed. Zumindest hielt er in der neoliberalen Welt ganz gut mit. Nur die unauslöschbare Liebe zu Sarah, gepaart mit einer brennenden Eifersucht, zog ihm immer wieder den Boden unter den Füßen weg.

Jochen Schölchs Inszenierung des Stückes mit dem etwas kryptischen Namen „zu unseren füßen, das gold, aus dem boden verschwunden“ war ein Gesellschaftsbildnis des Scheiterns, dem man sich nicht unbedingt in vollem Umfang anschließen konnte und kann. Alle Werte (Gold) scheinen durch das Grundwasser davon gespült zu sein und es gibt scheinbar keinen Halt mehr. Es war allemal ein grandioser und wieder einmal magisch in Szene gesetzter Theaterabend, der dennoch nicht frei von Widerspruch bleiben kann. Es sind eben diese Stücke, die uns einmal mehr suggerieren, dass unsere Welt scheinbar unweigerlich dem Untergang geweiht ist. Ohne Zweckoptimismus verbreiten zu wollen, in Berlin hatte man schon immer eine eigene Vorstellung vom Weltuntergang. Soviel sei angemerkt, in einem Pankower Hinterhof wird er gewiss nicht stattfinden.

Wolf Banitzki

 


zu unseren füßen, das gold, aus dem boden verschwunden

von Svealena Kutschke

Mit Matthias Grundig, Thorsten Krohn, Sophie Rogall, Mara Widmann, Lucca Züchner

Regie: Jochen Schölch

Metropoltheater Die Wiedervereinigung der beiden Koreas von Joël Pommerat


 

Es lebe auch die Illusion

Joël Pommerat gehört heute zu den wichtigsten europäischen Theatermachern. Der Schulabbrecher hatte bereits im Alter von zwölf Jahren sein theatrales Erweckungserlebnis als Besucher des „Festivals d'Avignon“. So ging er bereits im Alter von achtzehn Jahren der Profession des Schauspielers und Autors nach. Doch bald schon erkannte er, dass sich seine Vorstellungen nicht mit denen des tradierten Theaters in Einklang bringen ließen und so arbeitete er zielgerichtet daran, neue Formen der Arbeit und des Theaters zu schaffen. Noch nicht einmal dreißigjährig gründete er seine eigene Theatergruppe mit Namen „Compagnie Louis Brouillard“, die ausschließlich seine Stücke spielte.
Pommerats Arbeitsweise ist eine kollektive, die Darsteller sind seine Co-Autoren und so nennt er sich selbst einen „auteur de spectacle“ (Autor der Aufführung). Der Erfolg gab dem Theatermacher recht in seinem Anspruch und so ist er alljährlich auf vielen wichtigen Theaterfestivals vertreten, wird aber auch international häufig zu Gastspielen eingeladen.

Grob gesagt könnte man Pommerats Arbeitsweise als die Suche nach dem wirklichen, nicht literarischen Menschen bezeichnen und auf „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“, von Jochen Schölch im Metropoltheater auf die Bühne gebracht, trifft das im Besonderen zu. Das Stück mit dem etwas irreführenden Namen besteht aus zwanzig kurzen Szenen, die nicht miteinander korrespondieren und auch inhaltlich in keiner Beziehung stehen. Gemein haben die Szenen das Thema Liebe, Freundschaft und Verbundenheit. Sie sind aufgeladen durch das Hervortreten fundamentaler menschlicher Eigenschaften und Verhaltensmuster und die meisten Szenen sind Verkürzungen großer menschlicher Dramen auf das Minimum einer Begegnung oder eines Schlüsselmoments.

Grundtenor der Szenen ist häufig das Scheitern. So platzt eine Hochzeit, weil die Schwester der Braut dazwischentritt und den Mann für sich reklamiert. Zwei Freunde geraten aneinander durch einen einzigen falschen Zungenschlag. Der Geist eines Mannes tritt unvermittelt zwischen ein Paar das sich seiner sicher war. Eine Prostituierte prellt sich um ihren Lohn, weil sie sich selbst auf das „Gratis“ herunterhandelt. Ein Priester beendet eine jahrelange Beziehung zu einer Prostituierten, weil er „eine Frau kennengelernt“ hat. Seine Schäbigkeit beschert ihm ein Fegfeuer. Und der Satz, alles wird gut, wenn wir uns nur lieben, wird plötzlich und ohne jede Erklärung ad absurdum geführt, weil Liebe allein nicht reicht! Um den Titel zu erklären: Er steht als Metapher für die Schwierigkeiten und der Großartigkeit des wieder Zusammenkommens zweier Menschen, die auseinander geraten sind.

  Die Wiedervereinigung der b  
 

v.l. Nikola Norgauer, Vanessa Eckart, Eli Wasserscheid, Lucca Züchner

© Jean-Marc Turmes

 

Nach den überaus kurzweiligen zweieinhalb Stunden (eine zwanzigminütige Pause) mochte man meinen, zu einer neuen Weltsicht gelangt zu sein, verbunden mit dem Glauben, die Welt auf jungfräuliche, bislang ungekannte Weise erfahren zu haben. Ein Indiz für die Außergewöhnlichkeit dieser Weltsicht war das häufige Vorkommen des Wortes „Wahnsinn“ als Indiz dafür, dass eine Verschiebung der Perspektive die Welt um ein Vielfaches überraschender, aber auch komischer macht. Und wer könnte das besser ausstellen als Jochen Schölch, der in seiner Inszenierung gänzlich auf ein Bühnenbild verzichtete. Der gesamte Bühnenraum und -boden waren schwarz ausgeschlagen. Schwarze Quader oder Würfel dienten als Sitzgelegenheiten. Die Wahrnehmung des Publikums wurde beinahe ausschließlich und auf magische Weise dem Licht unterworfen (Hans-Peter Boden). Zwei Liegestühle und zwei Kissen setzten in zwei Szenen Farbakzente. Aufwendig indes waren die Kostüme von Sanna Dembowski, die von großer Hochzeitsrobe über Joggingschlabberlook bis zu weißen Engelsgewändern reichten.

Immerhin hatten die neun Darsteller siebenundzwanzig Frauen- und vierundzwanzig Männerfiguren zu realisieren. Diese Tatsache führt die Kritik wieder einmal in ein Dilemma, denn einige wenige Leistungen herauszustellen hieße, andere zurückzusetzen. Wie inzwischen gewohnt, lieferten alle Darsteller ein wunderbares Ensemblespiel ab und kreierten zugleich einprägsame und originelle Charaktere. Sowohl handwerklich, als auch inhaltlich bei minimalistischer und dabei wirkmächtiger Ästhetik kann diese Inszenierung wieder einmal als ein eindrucksvolles Theaterereignis verbucht werden. Chapeau!

Eine wesentliche Qualität resultiert natürlich aus dem Inhalt, oder den Inhalten der einzelnen Szenen, die jede für sich eine geradezu banale Handlung aufwies, durch das Auge und die Feder des Autors (oder der Autoren) allerdings auf eine höhere Bewusstseinsebene gehoben wurde. Das Adjektiv „philosophische„ ist ganz bewusst vermieden worden, da es den Leser erschrecken und vom Besuch abhalten könnte. Es ist unbedingt ein überwiegend heiterer Abend, das sei versprochen. Einige Szenen haben zwar tragödischen Charakter, erzeugen aber nie Schlimmeres als Melancholie. Diese Haltung ist in Zeiten von Weltuntergangsstimmung und Depression überaus begrüßenswert. Das Leben wird nicht ausgeblendet, sondern angenommen unter gleichzeitiger Berücksichtigung, dass man oft, allzu oft scheitert. Das nennt sich Realismus.

Und was ist schlecht daran, trainiert Scheitern doch unser emotionales Immunsystem, macht uns stärker und ausgeschlossen werden kann das Glück, zumeist Liebesglück nun wahrlich nicht. Die Frage, ob die Liebe eine immerwährende Illusion ist, kann und wird nicht beantwortet. Wozu auch. Wir sind ohnehin nur flüchtige Gäste in der universalen Existenz. Da hat es gute Gründe, dass es so etwas wie Illusionen gibt, vorausgesetzt, sie machen uns nicht komplett blind und blöd. Man stelle sich einmal vor, wir wären traum- und illusionslos auf nüchternste Weise unserem Alltag ausgeliefert. Besser nicht!

Wolf Banitzki

 


Die Wiedervereinigung der beiden Koreas

von Joël Pommerat
Deutsch von Isabelle Rivoal

Mit: Butz Buse, Vanessa Eckart, Paul Kaiser, Nikola Norgauer, Hubert Schedlbauer, Thomas Schrimm, Dascha von Waberer, Eli Wasserscheid, Lucca Züchner

Regie: Jochen Schölch

Metropoltheater  Out of the blue von Newton, Schrimm & Sternberg


 

Deja Vu

Neil Young wurde 1945 als Sohn des Sportjournalisten und Autors Scott Young und dessen Ehefrau Rassy Ragland Young in Toronto geboren. Sechsjährig erkrankte er an Polio, wodurch seine linke Körperseite nachhaltig geschädigt wurde. Diese Erkrankung war der Grund für seinen hinkenden Gang. Mitte der 60er Jahre erkrankte er überdies noch an Epilepsie und Diabetes. Als er zwölf Jahre alt war, ließen sich die Eltern scheiden und Neil zog mit der Mutter nach Winnipeg, Manitoba, der ursprünglichen Heimat der Mutter. Seit Anfang der 60er Jahre spielte er in Winnipeg in verschiedenen lokalen Bands. Doch der Erfolg blieb aus und er ging nach einem kurzen Intermezzo in Toronto nach Los Angeles, wo er gemeinsam mit Stephen Still die Band Buffalo Springfield gründete. Schnell avancierten sie zu einer der führenden Folk-Bands Amerikas. 1968 verließ Neil Young die Band wegen andauernder Streitigkeiten und nahm sein erstes Soloalbum auf. Kurz darauf erschien das erste Album mit der Band Crazy Horse. Mit ihnen hatte er seinen erfolgreichsten Hit: „Heart of Gold“. Es war zugleich auch die härteste Zeit in der Musikerkarriere Neil Youngs, denn Drogen, auch harte, gehörten zum Alltag. Nach dem dritten Tod eines Bandmitglieds bemerkte er verzweifelt: „Sie sterben wie die Fliegen.“

Gemeinsame Konzerte mit David Crosby, Stephen Stills und Graham Nash gipfelten in dem legendären Auftritt vor 250.000 Menschen auf dem Woodstock-Festival. In der Zeit bis 1988 wechselte er mit ebenso wechselndem Erfolg die Stile. In der Zeit von 1988 bis 1997 avancierte er zum „Godfather of Grunge“. Grunge, zu Deutsch „Schmuddel“ oder „Dreck“, hatte seinen Ursprung im Underground und vereinte Elemente des Punkrock und des Heavy Metal. Danach wurde seine Musik ruhiger und verinnerlichter. 1995 begegneten sich Neil Young und der Filmemacher Jim Jarmusch. Für dessen Film „Dead Man“ mit Jonny Depp in der Hauptrolle schuf Young die Filmmusik, die ihm eine Oscar-Nominierung einbrachte. Young und Jarmusch stellten schnell fest, dass sie in künstlerischen Frage kongenial waren und im Jahr 1997 porträtierte Jim Jarmusch Neil Young und die Band Crazy Horse in dem Film „Year of the Horse“. 1995 wurde Neil Young in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Heute ist er ein mit Preisen hoch dekorierter Musiker und das wegen, aber auch trotz seines politischen Engagements. Mit seinem lautstarken Auftreten gegen Krieg und Verlogenheit der Regierung, zog er den Zorn der Nationalisten und Patrioten auf sich.

Als im Mai 1970 während Antivietnamkriegs-Demonstrationen vier Studenten der Kent-State-University von der Nationalgarde erschossen wurden, reagierten Neil Young und seine Band Crosby, Still, Nash & Young (CSNY) mit dem Song „Four Dead in Ohio“. Dieser Song avancierte zur Kent-State-Hymne. Als die Vereinigten Staaten in den Irak einmarschierten, kehrte Young, der nach 9/11 ein hartes Vorgehen gegen den Terrorismus gefordert hatte, zu seiner Antikriegshaltung der 70er Jahre zurück. „Don´t need no shadow man / Running the government / Don´t need no stinkin´ war …“ Er ging mit CSNY auf eine ausgedehnte Tour, die er selbst unter dem Pseudonym Bernard Shakey in dem Film “Crosby, Still, Nash & Young – Deja Vu“ dokumentierte. Neil Young ging so weit, in einem Song die Amtsenthebung G.W. Bushs zu fordern („Let’s Impeach the President“).

  Out of the blue  
 

Thomas Schrimm, James Newton, Andreas Lenz von Ungern-Sternberg

© Jean-Marc Turmes

 

Doch sein politisches Engagement war nur eine Facette seines Charakters und seines Schaffens. Neil Young ist eine so ungeheuer vielschichtige Persönlichkeit, dass es unmöglich scheint, ihn auf irgendeine dominierende Eigenschaft festzulegen. Wenn überhaupt, ist seine permanente Unrast ein tauglicher Begriff für eine Charakteristik. Und die trieb und treibt ihn immer wieder zu Erfahrungen, auf die er dann reagiert, scheinbar planlos und nicht selten chaotisch in seiner Spontanität. Jim Jarmusch gegenüber erklärte er in dessen Film „Year oft he Horse“ von 1997: „Man muss ein inneres Feuer haben, einen Beweggrund. Sonst sollte man nicht da (auf der Bühne – Anm. W.B.) stehen.“ Neil Young ist vor allem äußerst dünnhäutig und verletzlich, wie sein Vater in Jarmuschs Film verriet. Dieser extremen Sensibilität verdanken wir ein gewaltiges Oeuvre, geschmiedet in dem „inneren Feuer“, das bei Neil Young unauslöschlich zu brennen scheint. Dabei ist er selbst von kaum einer Katastrophe verschont geblieben wie Krankheit, zerbrechende Beziehungen, Drogen etc. Doch auch diese Katastrophen konnte er ummünzen in unsterbliche Songs.

Um diesem großen Musiker eine Reverenz zu erweisen, fanden sich die Schauspieler und Musiker Thomas Schrimm und James Newton gemeinsam mit dem Pianisten und Arrangeur Andreas Lenz von Ungern-Sternberg im Metropol zusammen. Etwa 20 Songs verwob der Arrangeur Andreas Lenz von Ungern-Sternberg zu einer Hitliste der Superlative. Gemeinsam griffen sie dann in die Seiten und Tasten und ließen für viele Zuschauer (2. Vorstellung) ihre eigene (meine inbegriffen) Jugend auferstehen wie ein Deja Vu. Thomas Schrimms emotionsgeladener Gesang beförderte das Publikum in die Sphären der Verzückung. Etlichen Zuschauern war an den zaghaften Lippenbewegungen anzusehen, dass sie innerlich mitsangen, so bei Titeln wie „Heart of Gold“ oder „Our House“ (Stephen Still).

Den drei Musikern war deutlich anzuspüren, dass sie hier nicht nur einige Songs performten, sondern dass sie von ihnen beseelt waren und so wurde dieser eineinhalbstündige Theaterabend einer der kurzweiligsten, den man sich vorstellen konnte. Angekündigt war der Abend als „Eine Verneigung vor Neil Young“, bei der auch Biografisches und Anekdotisches gereicht wurde, leider zu wenig, insbesondere von Letzterem. Immerhin gibt es den wunderbaren Film von Jim Jarmusch, der unbedingt empfohlen sein soll, zeigt er doch das Zusammenspiel und –leben der Bandmitglieder von Crazy Horse, allesamt erstaunliche Männer. Sie waren mehr als nur Musikerkollegen und wenn man sie auf der Bühne erlebte, dann begreift man, dass Neil Young großes Glück hatte, denn er wurde von den drei Mitstreitern getragen, inspiriert und zu höchsten Höhen empor gepusht. Wir reden hier von einer Welt, in der es keine aufgeblasene, gigantomanische Bühnenshow gab, sondern ehrliche Musik und ein Neil Young in kurzen Hosen, T-Shirt und gefangen im eigenen Rhythmus, der ihn wie einen Derwisch tanzen ließ.

Alle bahnbrechende Kunst sucht nach dem vollkommenen Werk. Gottfried Benn stellte einmal fest, dass selbst die größten Künstler nur wenige vollkommene und absolute Werke geschaffen haben. Neil Young gehört zu denen, die vielleicht zwei drei mehr geschaffen haben, als die Großen seiner Gilde. Und die erblühten nicht selten nun für den Augenblick auf der Bühne und verlöschten. Geblieben ist die Erinnerung bei denen, die es miterleben durften. Und diejenigen hatten im Metropoltheater ihr ureigenes „Deja Vu“. Dank dafür.

Wolf Banitzki

 


Out of the blue

Von und mit: James Newton, Thomas Schrimm und Andreas Lenz von Ungern-Sternberg

Metropoltheater  Schwester von  von Lot Vekemans


 

Die Last des Namens

Am Dienstag, den 19. November 2019, während eines Vortrags, wurde der Mediziner Fritz von Weizsäcker erstochen. Etwa 24 Stunden später wurde die Öffentlichkeit über die Motive des Mörders informiert. Der Mann hatte eine wahnhafte Abneigung gegen die Familie von Weizsäcker, insbesondere gegen die Person Richard von Weizsäcker, der nach Aussagen des Täters in seiner Funktion als Vorstand eines Chemiekonzerns mitschuldig an der Lieferung von Giftstoffen gewesen sein soll, die angeblich im Vietnamkrieg zur Anwendung kamen. Warum musste nun Fritz von Weizsäcker sterben? Er war der Sohn von Richard, sogar der Lieblingssohn.

Soviel zum Thema Schwester/Tochter/Sohn von … Die Last eines Namens (oder einer Abstammung) ist nicht selten vollkommen absurd, denn niemand kann einen Menschen für die Taten oder die vermeintlichen Taten der Vorfahren in Haftung nehmen. Und doch geschieht es, wie am Dienstag gesehen. Am 20. November hatte nun „Schwester von“ von Lot Vekemans am Metropoltheater Premiere. Das Ein-Personen-Stück behandelt genau dieses Thema. Eine junge Frau hält Rückschau. Es ist nicht irgendeine Frau, es ist Ismene, die mythische Schwester der Antigone, des Polyneikes und des Eteokles, und Tochter/Halbschwester von Odipus. Die Rede ist von nichts geringerem als dem Lapdakidenfluch, der vielleicht ungeheuerlichste Geschichte, die je erzählt wurde.

Sie begann damit, dass Laios, Sohn des Labdakos, den Sohn seines Freundes Pelops entführte, um seine sexuelle Lust an ihm zu stillen. Nach dem Missbrauch kam der Mord, denn Laios eigener Sohn Odipus tötete ihn, worauf der Inzest folgte. Ödipus heiratete sein Mutter Iokaste und zeugte mit ihr Antigone, Ismene, Polyneikes und Eteokles. Als die Sache ruchbar wurde, stach sich Ödipus die Augen aus und ging mit Antigone in die Verbannung. Fortan sollten sich die Zwillingsbrüder Polyneikes und Eteokles den thebanischen Thron in jährlichem Wechsel teilen. Doch irgendwann räumte Eteokles den Stuhl nicht mehr und es kam zum Krieg, in dem sich die Brüder gegenseitig töteten. Onkel Kreon, Bruder von Iokaste, die sich inzwischen erhängt hatte, übernahm nun die Macht und verfügte, dass der Verräter Polyneikes als Warnung für die Menschen und Futter für die wilden Tiere unbestattet bleiben sollte. Doch Antigone verstößt gegen das Gesetz und wird lebendigen Leibes eingemauert. Sie wartet das qualvolle Ende nicht ab und erhängt sich ebenfalls. Als ihr Verlobter Haimon, kein geringerer als Kreons eigner Sohn, davon erfuhr und das Gefängnis aufbrechen ließ, wo er die tote Geliebte fand, stürzte er sich in sein Schwert. Übrig blieben nach diesem Gemetzel einzig Kreon und Ismene.

  Schwester von  
 

Sophie Rogall

© Jean-Marc Turmes

 

Das lasse man sich einmal auf der Zunge zergehen und versuche sich in Ismene hinein zu versetzen. Und genau das tat Lot Vekemans. Ismene, hochdramatisch und mit äußerster Intensität von Sophie Rogall gespielt, reflektierte nun die Rolle der „kleinen Schwester“ in diesem gewaltigen Epos. Zu welchem Schluss konnte sie schließlich kommen? Doch nur zu dem, dass irgendwie alles an ihr vorbei gegangen ist und sie letztlich niemand der Beachtung für wert befunden hatte. Es ist, als hätten die Götter aus Versehen eine Figur zu viel in das Drama hineingeschrieben und sie dann völlig aus den Augen verloren.

Das hatte dennoch Konsequenzen für die übrig gebliebene Schwester, denn alles was geschehen war, wurde auch mit ihr in Verbindung gebracht und da nichts Gutes dabei war, ging man automatisch auf Abstand. Kein Mann interessierte sich für sie und im Lexikon überlebte sie in kaum mehr als zwei Zeilen: Tochter des Ödipus, Schwester der Antigone. Seit mehr als dreitausend Jahren beklagt sie nun ihr Leid, das darin besteht, dass sie selbst nie zu einer handelnden Person wurde, dass sie nicht bereit war, den Märtyrertod zu sterben. Ja, sie leidet selbst darunter, dass sie mit Kreon ihren Frieden gemacht hat, der ihr zuletzt auch noch die Schwester nahm. Ismene hinterfragte sich und ihre Entscheidungen und kann dabei kaum mehr als eine natürliche und gesunde Feigheit und einen überlebenswichtigen Opportunismus konstatieren. Warum also das Heulen und Zähneklappern? Immerhin hat sie den ganzen Schlamassel überlebt! Zugegeben, ein dreitausendjähriges Schattendasein ist kein Zuckerschlecken, selbst wenn man das eine oder andere Hobby hat. Aber dreitausend Jahre Tiermotive auf Kissen oder Laken sticken ist auch nicht abendfüllend.

Sophie Rogall, im attraktiven kleinen Schwarzen (Kostüm Cornelia Petz), das man vermutlich im Schattenreich trägt, erzählte die ganze Geschichte in einer Stunde und kommentierte sie auch noch. Dabei war sie ganz Frau. Wenn sie die Schar der Figuren auf einen Nennen brachte, dann lautete der: allesamt Irre! Aber ist man in einer Gesellschaft der Irren als (scheinbar) einzige Vernünftige auch automatisch die Königin? Nein, man ist der Loser und die Fremde, wobei sie aber dennoch mit demselben Makel behaftet ist, wie alle anderen auch. So ist Ismene voller Wut und Verzweiflung, voller innerer Zerrissenheit und voller Sehnsüchte, voller Empathie aber auch voller Sarkasmus. Und diesem Wesen zuzuschauen, bereitete neben gehörigem Entsetzen auch großes Vergnügen. Sophie Rogall brachte jedes einzelne Wort überaus glaubhaft über die Rampe und ihre physische Spannung war so extrem, dass sich ihr Spiel auf einem Areal von einem halben Quadratmeter abspielen konnte und die Geschichte der Labdakiden dabei dennoch wie ein Blockbuster vor dem inneren Auge ablief. Das war zweifellos auch Verdienst der Regie von Domagoj Maslov. Eine gelungene Arbeit, die lange im Gedächtnis bleiben wird.

Dabei brauchte es kaum Bühnenbild, ein paar weibliche Kleidungsstücke vor der Dunkelheit der Schattenwelt, die immerhin einen rötlichen Ausgang aufwies. Es ging dabei auch um Erlösung, die es für Ismene zu erlangen galt. Zuletzt leuchtete das Rot wie Aurora am Morgen. Unbedingten Anteil an der magischen und fesselnden Wirkung der Inszenierung hatte die Musik von Benedikt Zimmermann, eingespielt von Lukas Roth, Katja Schild und ihm selbst. Sie suggerierte ein geradezu kosmisches Gleiten durch die mythischen Jahrtausende.

Es ist ein großer Vorzug von antiken Mythen, dass wir gar nicht auf die Idee kommen, sie auf ihren Wahrheitsgehalt zu hinterfragen. Diese Geschichten haben sich in mindestens jedem Jahrhundert der Menschheitsgeschichte wiederholt und den Mythos zu einer unanfechtbaren Wahrheit gemacht, wenn es um die Grundfragen und die Grundeigenschaften des Menschen geht. Hier nahm all das sehr menschliche, sehr frauliche Züge an, dank Sophie Rogall.

Wolf Banitzki

 


Schwester von

von Lot Vekemans / Deutsch von Eva Maria Pieper

Mit Sophie Rogall

Regie: Domagoj Maslov

Metropoltheater  Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke von Joachim Meyerhoff

 

Wie spielt ein Nilpferd Effi Briest?

Joachim verlässt mit zwanzig Jahren nach dem Unfalltod des Bruders seine Heimatstadt Schleswig in Norddeutschland, um in München eine Zivildienststelle in einem Krankenhaus anzutreten. Ein starkes Motiv für diese Wahl waren seine hormondurchtränkten Vorstellungen vom Schwesternwohnheim. Es gab aber noch einen anderen, recht verhaltenen Wunsch, nämlich, den Beruf des Schauspielers zu ergreifen. Also bewirbt er sich an der Otto Falckenberg Schule und wird, zu seiner großen Überraschung, angenommen. Immerhin hatte er nicht einmal, wie gefordert, drei Vorsprechrollen erarbeitet. Er bietet lediglich einen Auszug aus Büchners „Dantons Tod“ an. Dabei hat er absolut keine Vorstellung, wie er den Danton spielen und sprechen soll. Egal, er überzeugt. Joachim muss feststellen, dass er sich in München mit seinem kargen Salär kein Zimmer, geschweige denn eine Wohnung leisten kann, und so zieht er vorübergehend in der Nymphenburger Villa der Großeltern ein. Der Großvater, ein emeritierter Philosophieprofessor, und die Großmutter, eine Schauspielerin im Ruhestand und ein wahre Diva, freuen sich aufrichtig, als ihr „Lieberling“ bei ihnen einzieht. Aus dem „Vorübergehend“ werden drei Jahre und in den drei Jahren absolviert Joachim seine Schauspielausbildung.

Doch die drei Jahre haben es in sich. Da sind erst einmal die Großeltern, die ihren Alkoholismus zu einer Hochkultur gemacht haben. Joachim kann sich den Ritualen nur schwerlich entziehen und so wird auch seine Leber hart geprüft. Und dann ist da die Ausbildung zum Mimen, die häufig in skurrilen und aberwitzigen Aktionen gipfelt, aus denen Joachim nur einen Schluss ziehen kann: Er ist völlig unbegabt. Diese Feststellung ist natürlich nicht sehr glaubhaft, denn bei Joachim handelt es sich immerhin um den Schauspieler, Regisseur und Autor Joachim Meyerhoff, der an so renommierten Häusern wie dem Maxim Gorki Theater Berlin und dem Wiener Burgtheater engagiert war. Heute ist er Ensemblemitglied des Deutschen Schauspiels Hamburg. „Ach, diese Lücke! Diese entsetzliche Lücke“ ist Bestandteil des dritten Teils von Meyerhoffs inzwischen vierteiligen autobiografischen Romanwerks „Alle Toten fliegen hoch“. Regisseur Gil Mehmert schrieb eine dramatische Fassung und brachte das Werk nun auf die Bühne des Metropoltheaters. Heraus kam eine Komödie, die im weiteren Sinne Theater auf das Theater brachte. Das ist immer eine sichere Bank, zumal hier noch dazukam, dass dem Münchner Publikum Einblicke in die Schauspielerschmiede der Münchner Kammerspiele gewährt wurden.

  Ach diese Luecke  
 

James Newton, Thorsten Krohn, Lucca Züchner

© Jean-Marc Turmes

 

„Ach diese Lücke! Diese entsetzliche Lücke, die ich hier in meinem Busen fühle!“ ist einer der großartigsten Seufzer in der deutschen Literatur. Er stammt von Goethe und wird von Werther geseufzt, ehe der sein Leben aushaucht. Angesichts der tragikomischen und grotesken Erlebnisse Joachims, reizt schon der Titel zum Lachen, denn nichts ist der Inszenierung weniger eigen als Pathos. Die Probenzeit indes stand unter keinem guten Stern, denn der Darsteller des Joachim, James Newton, übernahm die Rolle 10 Tage vor der Premiere. Newton leistete Gewaltiges, denn die immerhin zweieinhalb Stunden dauernde Vorstellung wurde zu einem großen Teil von ihm geschultert. Er erzählte immer wieder den Fortgang der Geschichte und spielte in jeder Szene, in die seine Erzählung mündete. Respekt und Nachsicht für die seltenen Haspler!

Regisseur Gil Mehmert ließ es richtig krachen. Und da Schauspieler am komischsten sind, wenn sie kräftig chargieren, da die Eitelkeit sie wie der sprichwörtliche Hafer sticht, ließ er sie kräftig knattern. Herausragend dabei waren Thorsten Krohn als Großvater Hermann und Lucca Züchner als die divenhafte Großmutter. Thorsten Krohn kamen dabei noch die Rollen des martialischen Aikido-Lehrers und des spastisch zuckenden Schulleiters zu. Diese physische Eigenart erklärte sich durch übermäßiges Hören von Jazzmusik. Lucca Züchners zweite Rolle war die der Schauspiellehrerin. Forsch und gelegentlich auch nicht frei von Sadismus überforderte sie Joachim und natürlich auch die anderen Studenten permanent. So konnte das Urteil über seine erste Rolle, als Nilpferd „Effi Briest“ zu spielen, nur vernichtend sein.

Die Unterrichtsmethoden leisten ein Übriges, um die Verwirrung komplett zu machen. „Und hier, mein lieber Held, immer schön locker bleiben. Mach das Löchlein weit!“ lässt Meyerhoff die in die Jahre gekommene, sich aber betont jugendlich gebende Blondine, deren Haare in ständiger Bewegung waren, sagen, wobei sie dem verklemmten Schüler über den Hintern strich. Ihre letzte Ansage an den Absolventen lautete schließlich: „Draußen ist es interessant, drinnen ist es spannend.“ Und genau dieser Satz ließ denn auch die „Lücke“ bildhaft werden.

Christl Weins Bühne (Sie gestaltete auch die Kostüme.) war eine Podestbühne auf der Bühne mit einem in die Tiefe verschiebbaren Vorhang. War der Vorhang hinten, war der Zuschauer hinter oder auf der Bühne. Wurde er nach vorn geschoben, saß der Zuschauer als Zuschauer davor. Das war ebenso einfach wie gelungen. So wurden die Szenen im Hause der Großeltern immer zu intimen Vorstellungen, den Vorhang im Hintergrund und das Theater, resp. die Schauspielschule außen vor. In der Schauspielschule ging es indes sehr turbulent bis chaotisch zu. Die jungen Darsteller Vanessa Eckart, Lean Fargel, Sophie Rogall und Nicolas Wolf gingen in bestem Ensemblespiel auf, ohne dass die Charaktere dabei diffus wurden. Kongenial musikalisch, oder besser, rhythmisch begleitet wurde das Spiel von dem Percussionisten Stefan Noelle. Hinzu kamen wunderbare szenische Lösungen wie beispielsweise die Darstellung eines unter Wasser befindlichen Nilpferdes. Verblüffend einfach.

Es war ein unterhaltsamer und sehr kurzweiliger Abend, der das Publikum sichtlich und hörbar erheiterte und so wollte der Premierenapplaus nicht enden. Was soll man sagen? Metropoltheater halt!

 

Wolf Banitzki

 


Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

von Joachim Meyerhoff
Bühnenfassung von Gil Mehmert

Vanessa Eckart, Lean Fargel, Thorsten Krohn, James Newton, Sophie Rogall, Nicolas Wolf, Lucca Züchner / Live-Musik Stefan Noelle

Regie: Gil Mehmert

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